Briefe an Jacobi aus dem Jahr 1787

Castor den 27 Apr. 87.

Vous etes malin! - Machst Du eben so große Augen, mein lieber Pollux! - als damals zum ersten mal über dies Zeugnis. Glaubst Du - oder verlangst Du außer den Empfindungen, klare Beweisgründe. - Geschichte ist Anfang und Ende. Wenn wir eins sagen, versteht sich beides, weil eins das andere in sich schliest, wie essentia u existentia.
Den 2o erhielt ich Dein ängstlich erwartetes Geschenk. Ich verschlung das Büchlein, und es war mir nicht wohl darnach. Crispinius überraschte wie ein angelus ex machina, bemächtigte sich, wieder seine Art, des Büchleins, und that mir einen großen Gefallen; weil ich nicht so bald meine dunklen Empfindungen zu entwickeln im stande war, und wegen der Ursache ungewiß war. Mistrauisch gegen mich, wie Pollux - und ungewiß, ob Witterung, Unterleib oder anticipatio des Gefühls Vernunftgründe vermuthen ließ. - Den Tag drauf kam Hartknoch, und ich laß Deinen Woldemar durch einen Zufall der auch auf mich wirkte und neue Empfindungen nebst parallelen Ideen oder Begriffen in mir hervorbrachte. Die Geschichte des Sonntags weist Du - Die Witterung war schlechter und mein herkulischer Appetit ärger, wie jemals. Montags nahm Hartknoch Abschied, Witterung trübe, der Kopf sub tutela, ich schrieb fort an Dich und blieb den ganzen Tag zu Hause. Dienstags bey Hippel zu Gaste mit neuem Appetit. Crispinus wohnt in der Nähe, ich brannte vor Neugierde ihn zu sehn. Er gab mir Deinen Hume traurig wider, beklagte sich am Mangel der Einheit (den zu finden ) und zu empfinden ich schnell und übereilt zu lesen genöthigt bin) machte mir aber von neuem Hoffnung zu einem Aufsatz über Wz. Fragment, mit dem er sehr zufrieden war bis auf aber, die ich noch nicht weiß, und die mir vielleicht so gleichgiltig seyn werden, als das fehlende positive - Von Kant versicherte er eben das, der den Tod dieses Mannes sehr bedauert und sich gewünscht hätte, auch Lust gehabt hatte sich näher mit ihm einzulaßen.
Ich fiel erst über das Fragment, weil ich es für nöthig u nützlich hielt mein eigen Urtheil zu verificiren. Es fielen mir Striche dabey auf, die ich zu erklären glaubte und zu verstehen schien. Mittw. vorgestern fieng ich Deinen Hume an zulesen und legte einen halben Bogen zum Aufschreiben ins Buch. Der Titel ist mir das Gesicht, und die Vorrede der Kopf, bey denen ich mich immer am längsten aufhalte und beynahe physiognomisire. Da fiel mir manches ein. Mein Sohn hatte Zeichen zuerst bemerkt vom Kraus, auf die ich mich freute. Sie fangen aber erst mit S. 93 an. Mir ist immer mehr, wie Dir am Anfange mehr als Ende gelegen. Dies ist der Anfang der Analysis, und jenes das Ende der Synthetik, beyde gehören zusammen und beziehen sich auf einander, wie Vernunft und Glaube. Das Subject ist mir entfallen: vielleicht meine Urtheilskraft.
Im besten Lesen kommt mir ein Qveerstrich im Wurf, und ich fand mich gedrungen Deinen Hume fortzulegen, weil ich von meinem Gefühl hingerißen wurde, und meine hinkende Vernunft ein artifex mille artium trotz dem Vulkan ist. Es geht mir mit der Kritik, wie Dir mit der Philosophie. Ich habe ein kunstrichterliches Mistrauen, das eben so arg ist, als mein kritischer Pruritus. Es geht mir mit Büchern, wie mit Menschen. Leidenschaft - Leidenschaft -Leidenschaft wie des Demosthenis Actio. Ich schrieb Dir von dem electrischen Eindrucke, den der Beytrag zur Kirchenhistorie in der poetischen Geschichte und arabischen Märchen vom güldnen Hahn auf mich gemacht hatte, und hab mich durch das Buch beynahe prostituirt. Man konnte gar nicht begreifen, wie ich die in dem Buche enthaltene Blasphemien und Obscenitäten hatte verdauen können. Ich hatte einen Kampf beynahe darüber, die Brochure zu kaufen. Der Uebersetzer des Grecourt schickte es zurück dem Mann, der es ihm verschrieben hatte. Ich machte mir ein Gewißen daraus Geld dafür auszugeben, und suchte es bey den Juden anzubringen. - Es hat mir 10 mal leid gethan, ich habe darnach geschickt und gelungert über 6 Wochen umsonst -; je saurer es mir wurde wider in meine Klauen zu bekommen: desto mehr nahm der Appetit zu dieser verbotenen Frucht zu. Ich schämte mich meiner selbst, und gab schon alle Hofnung auf, suchte meine Lüstemheit zu unterdrücken. Dem ohngeachtet war mir daran gelegen, meine Urtheile (die Phoenomene u Meteore) doch zu untersuchen. Ich sollte Deine Schrift beurtheilen: und hatte die hypochondrische Furcht und Besorgnis auf meinem Herzen, daß ich gar nicht mehr zu urtheilen im stande wäre - hatte das Buch Deinem Namensvetter, Pr. Haße und was noch ärger ist dem Kritiker der reinen Vernunft, der im Kayserlingschen Hause und bey Hippel von meinem enthusiastischen Geschmack gehört, und mit dem ich selbst darüber im lachenden Muthe gesprochen hatte. Dein Hume wurde weggelegt, und ich machte eine neue Probe meines Urtheils und Geschmacks, mit einem Nafe - Es ist mir unmögl. meine widerholte Empfindung zu verleugnen, und ich finde so viel Beziehungen auf meine Ideen mit denen ich schwanger gehe, so viele arJra twn jrenwn zu meinem fliegenden Briefe. Ich erholte mich von dem Paroxysmo meiner kritischen Muthlosigkeit, und traute mir etwas mehr zu auch bey Deiner neuen Schnift mitreden zu können, was für unsere beyderseitige Freundschaft keinen nachtheiligen Einfluß haben wird. Ich lies vieles in dem Buche übrig, um allmählich näher zu prüfen und explicable zu machen - entschloß mich Mittwochs zu Mittag den Miltz zu besuchen, den ich seit einigen Tagen nicht gesehen hatte. Er war nicht zu Hause, weil er alle Tage spatziren gehn muß. Ich erwartete ihn und er kam eher als ich es vermuthete. Ich hatte mit Fleiß gl[eich] nach dem Eßen Caffé getrunken um noch eine Pfeife rauchen zu können ein paar Stunden hernach. Binnen der Zeit bekommt mein jüngstes Mädchen einen Anfall vom kalten Fieber; auch diese Kleinigkeit hatte auf meinen Besuch und die Dauer deßelben Einfluß. Wider meine Gewohnheit rauchte ich 2 Pfeifen und lies mir das Bier schmecken, da ich sonst nur des Abends trinke. Der arme Mann ist gantz trostlos geht mit Todesgedanken schwanger und kann seiner starken Vernunft den unüberlegten Verkauf seines alten u Ankauf des neuen Hauses nicht vergeben[.]
Gestern speise ich bey Jacobi, bring ihm den goldenen Hahn, eße Sauerkraut, das mir die Base verwahrt hatte und eingeschnittnen Kalbsbraten und vom Nachtisch mit solchem Hunger, der Sensation machte auf Wirth und die übrige Gesellschaft vtriusque generis, unterdeßen ich mich meiner selbst schämte und über mich ärgerte. Wir sitzen bey Tische, wie Kraus gl. einem Mittagsgespenst erscheint. Er hatte allein geeßen, weil Kant Dienstags bey Kayserlings oft speißt. Er hatte mir vor ein paar Stunden die 3 Stücke seiner Recension zugeschickt, die ich in der Tasche trug nebst Deinem Buche. Jacobi giebt eine kleine Bouteille in 16º Pedro Ximenes zum besten. Kraus bekam Lust zu einem Semmel den er kaum halb verzehren konnte. Wirth u er schlürfen den Wein, wie Claudius Keuchel. Crispinus begleitete mich nach Hause, gab mir zu verstehen, daß Kant nicht mit seiner Recension zufrieden wäre, hatte die außerordentl. Freundschaft, die ich nicht Herz hatte ihm zuzumuthen, nicht nur die allgem. Litter. Zeitung von selbst anzubieten, sondern versprach mir sie zu corrigiren und alles widerherzustellen wie ers gemeynt u gesagt oder geschrieben hatte. Sonntags soll ichs haben, spätestens, samt dem Aufsatz [des] über Witzenmann. Ich wollte mi[ch]r seine Laune zu nutze machen und Erklärungen seiner Anstriche ausholen; aber sein Kopf war mit andern Grillen voll, und ich konnte ihn zu nichts bringen. Das meiste sind Striche; Lautbuchstaben seines Sinns. [...]
Ich will erst Dein Urtheil der Recension wißen und nachher weiter gehen, wenn Dir an seiner Denkungs- und Prüfungsart etwas gelegen ist. Ich verstehe seine Recension noch nicht, aber politisch ist sie und Sapienti sat. Er hat seine Empfindungen [mit] und Vernunftgründe mit factis belegt - und ich halte Materie und Form meines Beyfalls und eines genauen Studiums von beyden würdig.
Nun mein lieber Jonathan Pollux, über Deinen Vorbericht. Das sollte wäre freylich beßer gewesen, ich meyne 3 Gespräche statt eines. Die Dosis ist zu stark für einen Patienten mit nüchternem Magen, der Galle verräth - auch die Personen nicht gut gewählt oder glücklich bezeichnet. Das Er zu sehr nach dem Zuschnitte des Ichs. Glaube, Vernunft-Idealismus; Realismus. Hume: Kant: Leibnitz: Spinoza.

Glaube hat Vernunft eben so nöthig: als diese jenen hat. Phiosophie ist aus Idealismo u Realismo: wie unser[e] Natur aus Leib u Seele zusammenge[setzt.] Qui bene distinguit, optime definire potest - und beydes gehört zum eignen Unterricht und ein Lehrer anderer zu seyn. Mir komt es nicht vor, daß Realismus und Idealismus den Inhalt der Vernunft, als der Schul u künstl. u sectirischen ihren füglich mit befaßen konnten; sondern eher umgekehrt. Die Schulvernunft theilt sich nur in Idealismum u Realismus. Die rechte u ächte weiß nichts von diesem erdichteten Unterscheid, der nicht in der Natur der Sache gegründet ist, und der Einheit widerspricht, die allen unsern Begriffen zum Grunde liegt, oder wenigstens liegen sollte.
Das Oder der Verbindungsart hinter der Aufschrift läßt sich nach deinem eignen Urtheil nicht gantz rechtfertigen und hat Verzeihung nöthig. Die Beylage ist auf ein disjunctives aut, aut gebauet, und vielleicht beruht selbiges am Ende des vorberichts eben so gut auf einem error calculi.
Scimus et hanc veniam - - Ein allgemeines Bedürfnis jeder Philosophie, ohne Unterschied ist petitio principii und nichts eher zu nehmen, als was uns eingeräumt wird, nicht über das Terrain die Richtung zu verlieren[.]
Was ist die gemeine Art des Wortgebrauchs? Zeugniße. Sind Verhälmiße keine Dinge, die Eigenschaften haben? und ist wol ein wirkliches Daseyn ohne Dinge, Eigenschaften und Verhältniße möglich oder denkbar?
Sollte die sinnliche Erkenntnis nicht apodictischer seyn als die Vernunfterkenntnis? Hat ungewiße Erkenntnis nicht Vernunftgründe nöthig; wozu braucht gewiße Erkenntnis dergl.
Jede Philosophie besteht aus gewißer und ungewißer Erkenntnis = aus Idealismo und Realismo = aus Sinnlichkeit und Schlüßen. Wozu soll blos die ungewiße Glaube genannt werden - Was sind nicht - Vernunftgründe? Ist Erkenntnis ohne Vernunftgründe mögl. eben so wenig als sensus sine intellectu. Zusammengesetzte Wesen sind keiner einfachen Empfindung, noch weniger Erkenntnis fähig. Empfindung kann in der menschl. Natur eben so wenig von Vernunft, als diese von der Sinnlichkeit geschieden werden. Die Bejahung identischer Sätze schliest zugleich die Verneinung widersprechender Sätze in sich. Identität und Widerspruch sind von gantz gleicher Gewisheit, beruhen aber oft auf einem optischen oder transcendentellen Schein, Gedanken-Schatten und Wortspiele. Die Sprache ist die wächserne Nase, die Du Dir selbst angedreht, der Pappeldeckel, den Du deinem Spinoz. vorhängst, und in Deiner gantzen Denkungsart oben schwimmt, wie geronnen Fett.
Empfindung muß durch Vernunftgründe eingeschränkt werden. Erkenntnis aus dem Glauben ist im Grunde identisch mit dem: Nil in intellectu - Also ein ewiges und fortgesetztes Diallhlwn logoV und tropoV liegt allen deinen Schlüßen zum Fundament oder ist das Centrum, welches Dich ohn Dein Wißen fortreißt und an sich zieht, Dich selbst und Deine Leser schwindlich macht, daß alles auf Idealität und Contradiction immer läuft in einer neuen Gestalt, der alter Sauerteig gährt, und der Knäuel unter Deinen Händen zunimmt, anstatt entwikkelt zu werden. Das ist das Qvecksilber Deiner Philosophie, welches Du umsonst zufigiren bemüht bist. - Bejahung des Daseyns an sich - Das abstracteste Verhältnis, das nicht verdient zu den Dingen, geschweige als ein besonderes Ding angesehen und gerechnet zu werden; gleichwol der Talisman Deiner Philosophie und Dein Aberglaube an verba praetereaque nihil sind die Götzen Deiner Begriffe, wie Spinoza den Buchstaben zum Wort und Werkmeister sich einbildete ... so leichtsinnig ist die Ethik, daß mir davor eckelt, und ich begreife nicht, wie es mögl. ist die Juno diese cartesianisch-kabbalistische Juno für eine Göttin anzusehen, wenn die Berl. Philosophen nicht eben so schwärmerisch von Jerusalem und eben so lächerlich ehrerbietig geurtheilt hätten. Bald wird alles verraucht seyn, und sich verblutet haben.
Dein Er ist der Schatten, das Echo Deines Ichs, verstümrnelt und schwankend. - Freundschaft der Wahrheit, gutes inneres Bewustseyn Verleugnung - der Wahrheit oder des innern Bewußtseyns? Ich finde allenthalben ein Oder wie hinter der Aufschrift, eine willkührl. Verknüpfungsart, die Deinem eigenen System nachtheilig und Deinen Gegnern günstig ist, [gewesen] und seyn wird.
Gestern Abend schlug ich die Citata der I. Erinnerung auf, und erstaunte nichts in Absicht der Lehrbegriffe (Ideal. u Real.) geäußert zu finden. Ich will gleich noch einmal diese Stellen aufschlagen und sie bey Tage, bey hellen Tage lesen. - -
Welcher Jude und Philosoph kann sich vorstellen daß S. 162-164 von Humens Glauben die Rede seyn kann. Ist Offenbarung der Natur mit Hume so nahe verwandt, daß man von selbst darauf fallen kann und ist der Uebergang auf die Religion der Christen nicht eine Gräuelsuppe für den Juden durch eine Verknüpfsart, die Verzeihung und bald möchte ich sagen Abbitte von Deiner Seite verdient?
Ich war von Hume voll, wie ich die Sokr. Denkw. schrieb, und darauf bezieht sich S. 49 meines Büchleins. Unser eigen Daseyn u die Existenz außer uns muß geglaubt und kann auf keine andere Art bewiesen werden. Kennst Du des Hume Treatise on human Nature Vol. I. vom Verstande Vol. II von den Leidenschaften III. von der Sittenlehre die 739 ausgekommen sind, sein erstes Werk? Crispin dankt mir immer dafür, wenn er daran denkt, daß er das Buch durch mich hat zuerst kennen lernen. Da erscheint Hume in so roher Natur, ihrer Blöße u Stärke. Crispin kann sich wirkl. rühmen, den Hume beynahe auswendig zu kennen. Ich habe nichts als ein Gespenst im Kopf u Auszüge, die ich weder lesen noch mich daraus finden kann. Spinoza ist Dein Hauptschlüßel und seine Gläser für Deine Augen vielleicht geschliffen, aber unrein und gefärbtes Glas. Wie kannst Du S. 23 beschuldigen daß M.[endelssohn] ohne die geringste Veranlassung Dir christl. Gesinnungen aufgebürdet, die weder christl. noch die Deinigen waren. Im Glauben geboren werden ist das Humisch oder philosophisch oder-? Jetzt setzt Du nicht christliche sondern selbst jüdische Autoritäten eines Hume und Spinoza entgegen und wilst die Dir beschuldigten gänzl. verleugnen durch den Dialect, der Dir geläufig ist, und den kein Leser fest zu halten im stande seyn wird, weil er wie ein Aal schlüpfrich ist. - Vorsichtigkeit und Ton der Äußerung - verdient Erwiederung der Vorsicht und des Tons! Wahrheit kehrt sich nicht an Vorsicht noch Ton; ist vierschrötig.
Du setzest zum voraus, daß die transsc. Idealisten Dich gnug verstanden haben. Sie selbst leugnen es - Ist die Schuld Dein Glaube, oder ein Mangel ihrer Selbsterkenntnis? S. 8. Sich selbst verstehen - und nicht ungedultig werden. Die Menschen, Er, Du und ich suchen was sie wißen, und wißen nicht was sie suchen S. 54.
Es ist gar keine Unmöglichkeit, sondern eine Unvermeidlichkeit, den transsc. Ideal. unrecht zu faßen. Daseyn ist Realismus muß geglaubt [werden]. Verhältniße sind Idealismus, beruht auf Verknüpfungs -und Unterscheidungsart.
Hume's Essays ein lustiges Buch - nicht Er, sondern jeder Leser versteht Dein Lächeln. Aber S. 3. verstehe ich die Worte gar nicht. Gut, daß ich es erfahre - Hier kann ich den hiatum oder das Beziehungswort es nicht erklären.
Il y a des mysteres imprimés et publiés comme il y a des mesonges imprimés. Der Buchstabe mag immerhin gedruckt seyn, der Verstand u Sinn läßt sich nicht drucken. Wilst Du mir nicht die Stelle im Sextus Empirikus u Aristoteles mitthellen. Sind es nicht Aussprüche einer menschl. Autorität, wenn es Dir um Hume, Reid und Spinoza mehr als um die Sachen selbst zu thun ist, und Deine Rechtfertigung durch ihre Lehrsätze rechtfertigst, beschönigst und - Wenn Du im Glauben geboren bist: so konnte nicht von solchen späten, wurmstichigen und verdächtigen Autoritäten die Rede seyn, und der christl. Glaube wäre immer allem philosophischen Laut vorzuziehen Aber der christl. ist wieder eine bloße Hinterthür zum Abzuge, ein pallium der nackten Wahrheit.
S. 79. Das Seyn ist keine Eigenschaft! - ist die Fähigkeit alle Eigenschaften zu tragen, keine Eigenschaft? Ist es keine Ungereimtheit diese Fähigkeit und Möglichkeit als das Erste zu setzen

Ach mein lieber Jonathan Pollux! Du verstehst Dich selbst nicht, und bist zu übereilt Dich andern verständlich zu machen und Deine kranke Philosophie andern mitzutheilen, aus einem Principio des guten Willens - Ich will der erste seyn, Dich auf die Ausfälle vorzubereiten, die du dir zuziehen wirst. - Auch Deiner Arbeit hab ich manchen Aufschluß meiner eigenen zu danken; ich bin auch in vielen Bagatellen und Hauptzügen Deiner Idiosynkrasie ähnlich und Dir dem Blute nach anverwandt.
Schön geschrieben! Sagt jedermann, wenn man mit den Sachen nicht recht einstimmen kann. Ein solches Lob ist die ärgste Beleidigung für mich. Nein Vernunft ist unsichtbar, ohne Sprache; aber freylich ist sie der einzige Ausdruck der Seele und des Herzens zur Offenbarung und Mittheilung unsers Innersten. Das Bewußtseyn der Schönheit verdirbt ihren Werth und Eindruck. Die äsopische und sokratische Sprache verschönert sich, als ein Organon ächter, lebendiger, verhältnismäßiger Vernunft. Schönheit ist ein mimischer Engel des Lichts, deßen Nachahmung ich zum Muster nehme, so sehr ich den Sinn verabscheue.
Hättest Du Deinem Hume ohne Schnupfen und Flußfieber, bey einer Flasche Wein und nach einem guten Pudding aufgeführt: so hätte ich mit mehr gesellschaftl. Antheil und [s]sympathetischem Appetit gelesen; aber Dein grämliches Lächeln, Dein trauriges Fasten, Deine Schlaflosigkeit machen mir unangenehme Eindrücke. - Der unbarmherzige Er giebt Deinen Leidenschaften Köder, die Dir nachtheilig sind -
Dein Beyspiel warnt mich noch mehr meinem Autorküzel Zaum und Gebiß anzulegen -. Hättest Du Dich damals weniger anstößig für einen philosophischen Judenmagen erklärt: so hattest Du keine Rechtfertigung und keine Nachrede nöthig gehabt. Wenn man sich nicht einander verstehen will noch kann: so hilft alles Reden nichts, sondern macht nur das Uebel ärger. Je mehr Worte, desto mehr Stoff zu Misverständnißen; Worte ohne Begriffe und Begriffe ohne wirkliche Gegenstände? Z.E. Seyn u die VIII Defin. Der Ethica. Ist das Seyn und das Seyn an sich ein wirklicher Gegenstand! nein sondern das allgemeinste Verhältnis, deßen Daseyn und deßen Eigenschaften geglaubt werden müßen, und ohne Instrumente weder deutlicher, noch näher, noch größer ex- und intensiue den Einsichten des Dritten gebracht und gemacht werden können - Statt Fußsalbe ist für den ungeneigten blindgläubigen Leser am nöthigsten Augensalbe. Hic oculis ego nigra meis
collyria lippus Inlinere --
Hat man mit Roß und Mäulern zu thun , so muß man die collyria aus der Medicina Veterinaria brauchen. Verstehst Du nun HerzensPollux mein Sprachprincipium der Vernunft und daß ich mit Luther die ganze jjie zu einer Grammatik mache, zu einem Elementarbuch unserer Erkenntnis, zu einer Algebra und Construction nach Aequationen und abstracten Zeichen, die per se nichts und per analogiam alles mögl. u wirkl. bedeuten. Kennst Du Wachters Spinozismum im Judentum Amst. 699 [?] Er hat sich einige Wochen auf meinem Tische umgetrieben. Bey dem Beschluß meines letzten Briefes an Dich fiel er mir in die Hände. Ein langweiliges eckles Buch, wo Spinoza nicht um ein Haar beßer als Machiavel widerlegt wird. Eben dieses Autors Elucidarium Cabalisticum Rom. 706 habe ich vor mehr als 20 Jahren in Curl. gelesen und Auszüge gemacht ohne sie zu verstehen nebst seiner eben so kleinen Diss. amica de haeresi circa mensas. Dogmatismus u Scepticismus haben für mich die vollkommenste Identität wie Natur und Vernunft, und wie ich Dir schon gesagt, faire et confondre ist ein ebenso homogenes oder relatives Werk. Analysis u Synthesis muß nach gantz ähnlichen Gesetzen geschehen. Analysis nicht zerstören, sondern zergliedern. Synthesis nicht vermischen, sondern zusammensetzen. Beydes nach den Kennzeichen und Gesetzen der Natur u ihrer Generation, deren Nachahmung und Composition sich die Kunst zum Muster nehmen muß. Ich verstehe zum Theil beßer als Crispinus die gegliederte Glieder - aber ins Unendliche theilbare und wirkl. getheilte Materie ist auch für mich skotoV und beruht auf kabbalistischen, kartesianischen oder leibnitzidnischen Teufelchen, Monaden u Engelchen, der ich, meine Vernunft u jjie ziemlich entbehren kann. Werd ich mit meinen Nachwehen fertig: so erlaub ich Dir auch, mich zu zerschneiden und escalpiren nach Herzenslust und Wohlgefallen. Vielleicht bekomm ich morgen von Dir Briefe, schwerl. aus Berlin. Ich habe gestern die Apologie durchblättert das erste Heft, wo über Kant pro und contra und Sailers Mährchen steht. Vergiß nicht lieber Jonathan-Pollux! Starkens Rechtfertigung und Deinen Castor Oedipus

den 29 Jubilate.

ich war vorgestern mit meinem Briefe eher fertig, als ich dachte; und gierig zu Miltz um ihm zu melden, daß das Fieber bey meiner Marianne zum dritten mal ausgeblieben war. Darauf besuchte ich Crisp. der bey Hippel geschmauset hatte, trostlos und hungrig war. Er hatte den Abend vorher einen Gast gehabt und ihn mit einem Gerichte Fische bewirthet, ohne selbst geeßen zu haben. Ich schalt ihn, weil seine Schlaflosigkeit vielleicht vom leeren Magen hergekommen war - und sich Abendbrodt nach 10 Gerichten bestellte, die für ihn blos Schaugerichte gewesen seyn müßen. Läst sich ein solcher Wiedersinn denken?
Mein Sohn gierig gestern in aller früh auf der Nicolovius Gut Sperling, schlief also die Nacht bey ihnen. Ich muste daher selbst bey Fischer gehen, fand nichts von Dir, mein lieber Jonathan. War willens Me Courtan zu besuchen, sie ließ mir aber den Tod ihrer Stiefmutter melden, der Commerc.räthin Toussaint. Kam gleich von der Loge zu Hause, muste Nachmittags schlafen. Meine Kinder waren alle ausgeflogen, die Leute arbeiteten im Garten. Ich nahm die Recension vor, welche ich den Abend vorher von Crispus corrigirt erhalten hatte. Es sind häsliche Druckfehler darinn z. E. S. 32. und die Zahl anstatt aus der Zahl S. 39 zu heller Vernunfteinsicht, nicht halber S. 40 Aussprüche, nicht Ansprüche. War eben im Begriff Dich zu lesen oder was ich geschrieben hatte, darüber anzusehen. Kommt Wagner und bringt mir das aus führl. Lehrgebäude der Religion, von dem neulich bey Hippel die Rede war - wuste aber von allem nichts mehr. Mit der ersten Zeile der Vorrede stößt mir ein Geruch von Bahrdt in die Nase, an dem ich mich satt und überdrüßig gelesen habe. Wir speisen bey Hippel mehrentheils zusammen, im Kayserlingschen Hause ist er auch accreditirt, sonst der Haß u Verachtung des ganzen Publici, als Buchhändler u Nachfolger des Kanters. Wollte ein Lombard anlegen, und wird wahrscheinlich die Rudera des Kanterschen Ladens wider an sich kaufen. Ich studiere das Original, und finde den Mann brauchbar, wie jedermann, der sonst mit Abscheu von ihm redte. Kraus u Brahl überraschen mich, der erste kann bey aller seiner Politik u Moral meinen Gast nicht ausstehen, kam blos das Museum abzuholen um sein Versprechen erfüllen zu können - ich hatte mein geliehenes Exemplar auch verliehen. Kraus fand kein Waßer im Hause wegen der Gartenarbeit, nach dem Buch konnt ich auch nicht schicken wegen der Gartenarbeit. Er setzt sich an das Clavier, springt eine zweite Saite. Sein erstes Wort ist immer Waßer, er würdigte kaum mein edles Bier des Schmeckens; und meine Gäste giengen im grösten Regen weg - Weil ich keinen mehr genießen konnte; so war es mir lieb ihrer los und jeden für seinen Eigensinn bestraft zu sehen. Meine Kinder kamen gut nach Haus; ich trieb Hans zu Bette der 5 Meilen gegangen war, weckte ihn vor 6 Uhr auf, wegen des Museums, das Kraus diesen Morgen erhalten hat - Ich dorfte also in meiner ietzigen Diät keine Ausnahme machen, wie ich entschloßen war im äußersten Nothfall. Ich trink meinen Caffé im Bett und mein Frühstück war das ausführl. Rellgionslehrgebäude. Ich lese wach, aufmerk[s]am und ungläubig und mit einem gantz besondern Gemisch des Wohlgefallens und Mistrauens, medicinische, transcendentelle und paradoxe jj über Bonnet, Jerusalem, der mit Spinoza verglichen wird S. 167. citirt der leibhafte Bahrdt sich selbst, erkenne in dem Abschnitt: Menschenbeurtheilung meine eigene Theorie mir das vor mir liegende Phaenoma zu erklären, und kann nicht eher als über die Hälfte des Buchs XXXV. Vom Gewißen S. 212, mich mit Gewalt los reißen. Mit diesem Wunder der Conformität mit dem Irrlehrer Bahrdt stand ich auf, las die Predigt aus meinem Hahn, gieng mit Mutter und Kindern zum ersten mal im Garten herum, und habe Dir diese Relationem curiosam nicht vorenthalten wollen. Mein Urtheil geht wie meine Kenntnis bis S. 211. wohl zu merken.
Ich war willens meinen vorgestern geschriebnen Brief in Ordnung zu bringen, ich fürchte, Du wirst so wenig lesen als verstehen können. Du wirst aber, Herzenslieber Jonathan noch ecklere gedruckte Sachen und Urtheile zu lesen bekommen, als mein geschriebenes ist. Laß Dir vor der Qvelle des meinigen daher nicht grauen. Es fließt wenigstens aus einem vollen Herzen - Prüfe und entschuldige das scharfe und stumpfe meines Urtheils an den beyden Gegenständen, von denen die Rede ist. Lies den goldnen Hahn deßen Autor ich so gern wißen möchte und am ausführl. Lehrgebäude der Religion bis S. 211.
Ich habe meinen Mittag und Caffé zu Leibe - und habe mittlerweile bis zur S. 259 gelesen, empfehle Dir sehr den Beschluß über das Recht zu denken und zu urtheilen. Laß Dir das Buch empfohlen seyn, und prüfe meinen Beyfall den ich heute, Bahrdt gebe engros, denn zum Detail habe ich weder Zeit noch Lust, möchte beynahe das Buch selbst kaufen, wenigstens mit guten Gewißen empfehlen, weil mir der Mann mit Licht und Leben von der Liebe redt. Ach! noch ist nichts aus Berlin zu vermuthen. Vielleicht erhalte ich etwas diese Woche zwischen Jubilate und Cantate.
Meine Briefe sind ein lebendiges Gemälde meiner wüsten Lebens- und Denkungsart, daß ich zu keiner Ruhe kommen kann, immer von innen und außen, von vorn und hinten hin und her geworfen werde. Ueberhaupt finde ich es für nöthig Dich vorzubereiten auf die neuen Unruhen, welche die Fortsetzung Deiner Autorschaft Dir zuziehen wird, eine reiche Emdte neuer Logomachien besorge ich, vielleicht mehr aus Freundschaft als mit Grunde. Desto beßer, wenn ich mich irre!
Deine Materie hängt allerdings mit meiner zusammen; ich bin aber noch lange nicht so weit, daß ich davon reden kann, geschweige schreiben mag. Vernunft ist für mich ein Ideal, deßen Daseyn ich voraussetze, aber nicht beweisen kann durch das Gespenst oder die Erscheinung der Sprache und ihrer Wörter. Durch diesen Talismann hat mein Landsmann das Schloß seiner Kritik aufgeführt, und durch diesen allein kann der Zauberbau aufgelöst werden. Es lohnt nicht ein Wort weiter zu verlieren, bis man einig darüber ist, was jeder durch Vernunft und Glauben versteht, nicht was Hume, Du und ich und er verstehn, sondern was die Sache ist, und ob es eine ist. Ein allgemeines Wort ist ein leerer Schlauch, der alle Augenblick anders modificirt, und überspannt platzt und gar nicht mehr Luft in sich behalten kann; und lohnt es wol sich um ein tummes Saltz, und einen Balg zu zanken der ohne Innhalt ist? Vernunft ist die Qvelle aller Wahrheiten und aller Irrthümer. Sie ist der Baum des Erkentnißes Gutes und Böses. Allso haben beide Theile Recht, beide Unrecht, die selbige vergöttern und selbige lästern. Glaube eben so die Qvelle des Un- wie des Aberglaubens. Aus einem Munde geht Loben und Fluchen Jac. III. Das Adiutorium der Sprache ist die Verführerin unsers Verstandes, und wird es immer bleiben, bis wir auf den Anfang und Ursprung und das olim wider zurück und zu Hause kommen. Petitio principii ist das Gegengift des unächten Misbrauchs der Dinge, und ihres Misverständnißes.
Seyn, Glaube, Vernunft sind lauter Verhältniße, die sich nicht absolut behandeln laßen, sind keine Dinge sondern reine Schulbegriffe, Zeichen zum Verstehn, nicht Bewundern, Hülfsmittel unsere Aufmerksamkeit zu erwecken, nicht zu feßeln, wie die Natur 0ffenbarung ist nicht ihrer selbst, sondern eines hoheren Gegenstandes, nicht ihrer Eitelkeit, sondern Seiner Herrlichkeit, die ohne erleuchtete und bewaffnete Augen nicht sichtbar ist, noch sichtbar gemacht werden kann, als unter neuen Bedingungen, Werkzeugen und Anstalten, Abstractionen und Constructionen, die eben so gut gegeben werden müßen und nicht aus der Luft geschöpft werden können als die alten Elemente.
Deine Theorie ist ein wirkliches Flickwerk philosophischer und menschlicher Autoritäten - Fühlst Du das nicht, lieber Jonathan, und daß es Dir am Ende Deiner Arbeit geht nach der Weiber Weise, die aus Buhl- Betschwestern werden. So weiland, so jetzt.

den 30.

Kraus kam ohne Aufsatz. Die Miethsleute unten hatten einen Nachtag zu feyern, weil die Tochter vorige Woche Hochzeit gegeben hatten. Er war um seinen Saal ersucht worden, und es sollte die ganze Nacht gespielt u getanzt werden. Daher er sich Nachtlager bey Deinem Namensvetter bestellt und den ganzen Nachmittag bey mir blieb. Das Schreiben bey Licht greift meine Augen an; ich setzte also meinen Bahrdt fort, und hab ihn diesen Morgen im Bette zu Ende gebracht. Aus eigener Erfahrung und Mitgefühl kann ich den Eindruck mir vorstellen, den dies Buch auf die Pharisäer unsers Jahrhunderts und dieser Welt machen wird. Der Einfluß seines medicinischen Studii ist sichtbar. Mens sana in corpore sano ist das Problem seiner Moral; die sich auf eine moralische Heilkunde auflöst und mit der Kunst zu sterben schliest dieser Theil; der immer nachläßiger und gewißenloser ausgearbeitet ist, je weiter er fortgeht. Ich habe von neuen bemerkt, wie meine Hitze im Lesen mich in Affect und Leidenschaft setzt, die mich fortreißen[.]
In Deinem Vorberichte finde ich, liebster Jonathan! alles was Deine Feinde oder Gegner sich zu Nutze machen werden, und warum ich auch nicht einig mit Dir seyn kann. Warum setzst Du Deine eigene Philosophie entgegen? Sollte dieser Unterscheid nicht durch die Einheit der allgemeinen Vernunft und des Sensus communis wegfallen. Der Zusammenhang u die Identität Deiner Grundsätze u ihrer Resultate ist von der einen Seite so natürl. wie von der andern. Du hättest Dir ihre Philosophie zu eigen machen sollen, und ihre Misstimmung augenscheinlich machen. Das wirkliche Daseyn ist nichts als ein ens rationis. Empfindung und Vernunfterkenntnis beruhen beiderseits auf Verhältnißen der Dinge ihrer Eigenschaften mit unsern Werkzeugen ihrer Empfänglichkeit, wie auf die Verhältniße unserer Vorstellungen. Es ist reiner Idealismus Glauben und Empfinden vom Denken abzusondern. Geselligkeit ist das wahre Principium der Vernunft und Sprache, durch welche unsere Empfindungen und Vorstellungen modificirt werden. Diese und jene Philosophie sondert immer Dinge ab, die gar nicht geschieden werden können. Dinge ohne Verhältniße, Verhältniße ohne Dinge[.] Es giebt keine absolute Geschöpfe, und eben so wenig absolute Gewisheit. Allenthalben stoß ich auf identische Sätze, deren Identität unter neuen Ausdrücken, Gleichungen, und Formeln von Dir nicht gemerkt wird, und daher bald bejaht, bald verneint wird, weil die Begriffe in einer andern Uniform erscheinen. Wenn wir unsem Empfindungen, unsern Vorstellungen glauben: dann hört freylich aller Unterscheid auf Wir können für uns dieser Zeugen nicht entbehren, aber niemanden durch ihre Uebereinstimmung widerlegen. Was war es denn für ein großes Vergehen, Dir christl. Gesinnungen aufzubürden? - Wozu Dein Christentum wie Deine Philosophie unterscheiden - Wenn M . nichts als jüdische Gesinnungen entgegenzusetzen hatte; so war seyn Beyfall auf Ansehen das weder Gründe noch eigene Einsicht ausschließt, gestützt. Gegen alle Deine Erklärungen ist eben so viel als gegen Ms seine einzuwenden. Die Streitigkeit läuft also auf einen religiösen Wortstreit hinaus von beiden Seiten. Wenn man bekent eine andere Philosophie und Religion in petto zu haben. Hume würde Dich eben so gut beschuldigen, daß Du ihm christl. Gesinnungen aufbürden wolltest, die eben [so] wenig die seinigen sind, als die jüdischen Dir anstehen können. Durch alle diese Nebendinge wird die Hauptsache mehr verdunkelt als aufgeklärt. Was Dir aus Leidenschaft wiederfährt, werden deine Gegner mit kaltem Blute und daher auch beßer und absichtlicher thun, als Du im stande bist. Meine beide Autoritäten hier Kant u Kr.[aus] klagen beyde über Deine Dunkelheit und daß Du den ersten nicht recht gefaßt, noch verstanden hast. Beyde sind desto mehr mit der Sprache des Freywilligen zufrieden, und bewundern die Kunst [seiner] ihrer Deutlichkeit. Niemand kann Dir verbieten, was andere Vernunft nennen, Wahn zu wißen, wie Dir niemand verbieten kann das strittige Ding Glauben zu nennen. Bey einer andern Philosophie, bey einer andern Religion, ist eine andere Sprache unvermeidlich, andere Vorstellungen, andere Namen für dieselbe Gegenstände, die jeder aus dem Gesichtspunct seiner Nothwendigkeit oder Freywilligkeit bezeichnet. Da jeder an der Analysi des andern und an der Synthesi seiner eignen Begriffe arbeitet, so ist keine Stätigkeit möglich von beyden Seiten, sondern ein ewiges Drehen und [we] ein unvermeidlicher Wechsel - Dein Buch ist sehr lehrreich für mich und die Wirkungen, die es hervorbringen wird, werden es noch mehr seyn - aber die 0ffenbarung dieses Misverständnißes ist ein Wunderwerk, das ich noch gar nicht zu leisten im stande bin, und die Zeit wird den Zauber[,] die optische Täuschung von selbst aufheben. jeder wünscht die Umschaffung der bisherigen Philosophie, hofft sie, arbeitet daran, trägt sein Scherflein dazu bey. Was in Deiner Sprache das Seyn ist, möchte ich lieber das Wort nennen. Moses und Johannes, Christentum und Judentum, die Lebendigen und Todten zu vereinigen - die durch den Thurmbau sich verwildern, in gesellschaftl. Zerstreuung, durch die Taubeneinfalt des Geistes ohne tyrannische Feßeln gleichgesinnt, und aus gemeinschaftl. Sündern übereinstimmende Brüder des Sinns zu machen. Wenn Du ein blindgläubiges und harthöriges Publicum voraussetzt oder glaubst; so muß man nicht durch Gründe, noch vernünftige Discourse S. 191 die Fortpflanzung seines Glaubens zu bewirken suchen.
Herzenslieber Pollux und Jonathan. Es thut mir wehe, daß Du noch immer am Spinoza kauest, und den armen Schelm von cartesianischem Diabolo und kabbalistischem Somnambulisten, dem Leibnitz seine Harm. praestab. entwandt haben soll, noch immer wie einen Stein im Magen mit Dir herumträgst. Giebt es wohl einen denkbaren Unterscheid zwischen Essenz u Existenz? läst sich eine Causa ohne Effect und dieser ohne jene denken? Giebt es für relative Begriffe, absolute Dinge? Naje kai mimnaV apistein an alle dergl. Hirngespinste, Wort und Zeichen de mauvaises plaisanteries mathematischer Erdichtungen zu willkührlichen Constructionen philosophischer Fibeln und Bibeln, welche dürftige Elemente sind das geoffenbarte Wort zu verstehen, aber so wenig Schlüßel des Sinns, des Begriffs als Charaden Definitionen eines Wortes sind. Den kleinsten Satz von Zweideutigkeit zu befreyen ist keine leichte sondern die schwerste Arbeit - das kleinste Flickwort zu bestimmen, ist keine leichte, aber eckle Arbeit. Noch weiß ich weder was Hume noch was wir beide unter Glauben verstehen - und je mehr wir darüber reden oder schreiben würden, je weniger wird uns gelingen diesen Qvecksilber fest zu halten - Sat prata biberunt. Glaube ist nicht jedermanns Ding, und auch nicht communicable, wie eine Waare, sondern das Himmelreich und die Hölle in uns. Glauben daß ein Gott sey und Glauben, daß keiner sey ist ein identischer Widerspruch. Zwischen Seyn und Glauben ist eben so wenig Zusammenhang als zwischen Ursache und Wirkung, wenn ich das Band der Natur entzwey geschnitten habe - Incredibile, sed verum.

den I May

Der Brief ist liegen geblieben durch einen eignen Zusammenhang der Dinge. Ich war verdrüslich auf mich selbst, Dir lauter leere, unverständliche, unangenehme Sottisen zu schreiben. Ich hatte mich wider an einem Gericht Fische überladen; fällt mir der April der Berl. Monatsschrift in die Hände; weil ich alles gleich vergeße, und in der ersten Brunst selbst nicht weis: so fiel mir das Stück gantz neu auf und ich fühlte Deine Mishandlung vielleicht ärger, als Du sie empfinden magst, aber noch mehr Deine Schuld daß Du nicht treu gnug in Deiner Rechtfertigung mit der Sache umgegangen, und Vertraulichkeiten eingemischt, die weder das Publicum, nach Deinem eigenen Maasstabe, noch die eiteln Gegner verdienen. Du und Lav.[ater] thun ein sehr überflüßig Werk, euch gegen eure Freunde zu rechtfertigen. Auch die Bundeslade des christl. Glaubens hat keinen Usas nöthig. Mendelssohn u seine Freunde ärgern sich an dem Losungsworte, das Du durch Auctoritäten rechtfertigst, die in meinen Augen auch keine Vernunftgründe und eben so zweydeutig sind. Ich wollte alles zerreißen, um Dich nicht noch mehr zu betrüben; muste wenigstens abstehen, zu schreiben, und hatte einen sehr finstern Nachmittag und unruhigen Abend, in Rücksicht auf meine eigene Autorschaft, an der ich zugl. mit verzweifelte. Deine geheime Geschichte läuft mit meiner ziemlich parallel, und ist die Parabel jedes Suchers, Nicodemus und Nathanaels. Ich fieng die Kritik zu lesen an, las noch einmal die in der Beyl. angeführte Stelle. Glaube: Vernunft = Realismus: Idealismus. Nichts als reine Worte, reine Vorstellungen, von denen das Ding nirgends ist, noch bewiesen werden kann. Ich lies mir die metaphysischen Anfangsgründe der Naturwißenschaft geben, die ich noch nicht gelesen hatte, weil ich durch die lange Note der Vorrede abgeschreckt worden war, und die ich mir seit 4 Wochen vorgenommen mit Kraus durchzugehen, weil ich mir nicht Stärke gnug in der Mathematik zutraute. Es gieng wie geschmiert, und ich konnte nicht eher aufhören bis ich mit dem Buche fertig war. Du kanst Dir leicht vorstellen, wie muthlos ich zu Bette gieng, über Deine und meine eigenen vereitelten molimina des guten Willens, und über die neue Triumpfe reiner Eitelkeit. Mein einziger Trost bestand darinn, daß ich mit meiner kleinen Autorschaft noch in saluo war und wenigstens sagen konnte; wie oftmals: Periissem, nisi perissem! Langsam und klug zu Werke zu gehen - nicht eher die Feder anzusetzen, bis ich mich selbst verstehe - und gedultig auszuharren - das Schicksal meiner Reise und meiner Autorschaft einer höheren Hand und Leitung ohne mich zu beunruhigen, zu überlaßen. Ich sehe In diesem Wirwarr einen beßern Plan, als ich mir selbst entwerfen könnte, und finde Ehre und Vortheile darinn ihn zu meinem eigenen zu machen, wie man Unsinn zum vehiculo des Verstandes anwenden kann. Ich habe ein schweres Exempel und Problem zu berechnen, und über ein Thema zu reden, zu deßen Behandlung ich jedes Wort abwägen muß; kann mich also nicht übereilen, wozu meine Natur immer geneigter ist und die Hand des Willens immer beßer seyn, als die Vernunft zu dictiren im stande ist. So viel Hoffnung ich selbst habe, theile ich Dir brüderlich mit, auch den Grund meines Glaubens, nicht in mir, sondern außer mir, der allein durch die That sich rechtfertigen und sich selbst beweisen muß. Alle übrige Beredsamkeit ist Sophisterey, die sich durch reine gute Worte nicht widerlegen läßt, sondern durch die Kraft der Sachen und Dinge. Fehlt mir die, so will ich lieber Schweigen und dadurch zu Schanden werden, als durch misliches Reden und Schreiben. Gestern Abend war ich so verzagt, daß ich nicht daran dachte diesen Morgen so ruhmräthig meinen Brief schließen zu können. Die I. Definition hat mir des Spinoza Ethik so vereckelt, daß ich nicht im stande bin weiter fortzufahren, und ich kann mir Deinen Geschmack Deinen aushaltenden Geschmack und Leßings seinen an einem solchen Straßenräuber und Mörder der gesunden Vernunft und Wißenschaft nicht erklären. Komme ich nach Pempelfort: so will ich ihn entführen, wenn Du mich auch eines Kirchenraubs und Sacrilegii deshalb öffentl. anklagen solltest. Philosophi - credula natio. Mahl Dir ein NB. in Deinem Seneca Nat Quaest. Lib VI. C. 26.
iß Dein Brodt mit Freuden und Deinen Wein mit gutem Muthe und verdirb nicht die Freude, die Hochzeitfreude Deines Sohns durch allotriojronia - Laß die Berliner fortqvacken, und die Vögel pfeifen und schnattern; bleibe daheim, stecke Dein Schwert in die Scheide, und mach punctum mit Kreuzzügen und Ritterfahrten für eine Dulcinee. Sey ein Philosoph, das heist ein unbefangener Zuschauer und hör auf ein olympischer Klopffechter zu seyn. Folge meinem guten Rathe, Beyspiele Tace et esto Philosophus! und bleibe mein Freund wie ich Dein Hans
Jörgele.

Bußtag den 2 May

Siga kai mimnaV pisteuein. Mein Herzenslieber Jonathan! Ich leg ein Geschmier bey, das ich Dir kaum anrathen kann zu lesen. Meine impertinente Lage von außen und innen verbietet mir alles Urtheilen. Ich weiß selbst nicht, wie mir zu Muthe ist, und bin noch weniger im stande anderer Sinn zu ergründen. Wenigstens weiß ich jetzt kein Haar weniger und mehr, was Vernunft und Glaube, Idealismus und Realismus ist. Je mehr darüber geredt und geschrieben wird, desto verwirrter werden die Begriffe. Wäre ich auch im stande zu urtheilen - Aus dem eckeln Detail meines Lebenslaufes erhellt sattsam meine Unfähigkeit im geringsten Zusammenhange. Innwendig sind Magen, Herz und Kopf im ewigen Zwiespalt. Auswendig gehts nicht beßer. Gestern Abend verfiel ich so mit meinem Hans, das ich mir vornahm allein zu reisen, wenn ich heute Antwort aus Berlin erhielte. Wird wohl nichts kommen, so wenig als von Deiner Hand. Bisweilen ärgere ich mich über Deine freundschaftl. Gedult und Nachsicht, einen so abgeschmackten Briefwechsel, wie ich den meinigen erkenne und empfinde, nicht längst abgebrochen zu haben. Ohne Eckel läst sich meine Faust nicht errathen und aus der Klaue ist die Bestialität meiner Gedanken- und Fühllosigkeit augenscheinlich und handgreiflich.
Ich tappte heute einmal nach der Vesper, hörte statt meines Beichtvaters einen Candidaten, dem es nicht an Gaben des äußerl. Vortrages fehlte, über Jerem. XXIX. 11. und muste wieder nach Hause eilen lente, weil mir das Gehen sauer wird. Wenn Du so aufrichtig als ich seyn willst und Deine Eindrücke für Urtheile verrathen: so wirst Du an den Cruditäten, die ich Dir mitgetheilt, gnug haben, und ich bescheide mich selbst, daß jetzt die Zeit aufzuhören entschieden ist, und ich so wenig als ein Verschnittener mir eine Schäferstunde weiter vermuthen kann. Zum Reisen taug ich vielleicht noch weniger - Ich weiß von allem nichts mehr, und habe auch wenig Lust mich darum zu bekümmern.
Was ich thun kann, hab ich lieber J.J. gethan, Dich auf mehr Kunstrichter meines Gelichters, die nicht beßer verstehen, aber ärger misverstehen, Dich zubereiten wollen. Unter meinen Umständen wäre Beyfall und Tadel kein opus bonae fidei. Was ich verstehe, beruhigt mich nicht in Ansehung des übrigen - ich bin aber eben so wenig im stande Dich eines beßern zu belehren, als den Knoten aufzulösen. Also manum de tabula - Erreichst Du Deine Absicht, für die Du geschrieben hast: so sey ruhig. Im Gegenfall bleib es auch, und bekümmere Dich um kein ärgeres Gänsegeschrey, noch Hundegebell. Deine Erscheinung im Gespräch muß Deinen Feinden und Gegnern angenehmer seyn, als Deinen Freunden, die Dir Schlaf, Appetit, und nicht eine so lustige Mine über Hume's Essays wünschen, als der falsche Er Dir beylegt, der kein guter Gesellschafter für unpartheyische Leser ist, noch für Patienten, sondern wie Woldemar ein Selbstpeiniger und Menschenqväler, wie wir alle sind, theils aus Dummheit, theils aus Schalkheit der schönen erworbnen Natur auf Kosten der Einfalt und Güte.
Ich habe heute Beichte und Bekehrung eines Erzlavaterianers gelesen und beßer gefunden, sowenig ich auch davon verstanden habe, weil es sich auf ein ander Buch bezieht, das ich mir auch bestellt. Ich dispensire Dich aber Dich um das Bahrdtsche Lehrgebäude der Religion zu bekümmern, deßen Anfang mich vorigen Sonntag so täuschte, daß ich auch beynahe eine Beichte u Bekehrung dieses Pharisäers vermuthete. Von dem Erzlavaterianer wünsche ich mehr zu lesen, wie er verspricht.
Diac. Mayer besuchte mich zum ersten mal in seinen Pontificalibus eines Abbé mit frisirten Haar. Er, der in einer eigenen Lage ist, beschwerte sich auch kein Buch mehr verstehen zu können, und bat sich dem ohngeachtet recht dringend Deinen neben mir liegenden Hume aus. Er ist des bekannten Mathematikers Sohn in Gryphswalde, hat Mathematik auch zu seinem Leibstudio gemacht, und der speculative Geschmack machte ihn so lüstern. Er ist ein Schüler des Kants hier gewesen und war also neugierig über Idealismum und Realismum sein Gehörtes u selbstgedachtes zu vergleichen. Ob was herauskommen wird, weiß ich nicht. Kraus hat mir nichts gebracht, und der älteste Nicolouius meldt mir daß die Berl. Post diesen Abend noch nicht hier wäre. Mein Hans hat den ganzen Tag eine so traurige Gestalt in meinen Augen gehabt, daß ich seine Liebe daraus wenigstens schließen muß. Ohngeachtet ich an meiner Reise für dies Jahr zweifele; so wollte ich doch nicht gern einen Minister Polonius statt eines folgsamen Gefährten und Freundes, um und neben mir haben. Er war vielleicht unschuldiger als ich selbst, und die Sache ist keiner Erklärung fähig. Es war Eifersucht auf den Credit der Mutter und seiner Freunde, und auf die Rechte sein Vater, ältester und nächster Vertrauter zu seyn. Allzulieb ist Haß: wie allzuklug dumm.

den 3 --

Nach einer ruhigen Nacht bin ich mit gutem Muthe aufgewacht. Außer Deinem Hume hab ich mir ein paar Tage mit dem goldnen Hahn und der reinen Vernunft den Kopf zerbrochen, und nach dem gemeinschaftl. Grunde drey so verschiedener Menschlichkeiten gesucht, aber so wenig gefunden, das nicht der Rede werth ist. Ueberall ist meine Weide. Mir schmeckt auch alles. Ist es pica oder Hunger - aber ich muß in beyden Fällen büßen. Das Thema und Problema meiner kl. Autorschaft wird mir blutsauer; ich kann es nicht aufgeben, so lang ich noch Hoffnung habe, die von Glauben und Vernunft unterstützt wird. Solltest Du es, lieber Jonathan, der Mühe werth finden mein Chaos copiren zu laßen: so nimm ohne Gewißenhaftigkeit Dir die Mühe, alles was Dir impassable fällt getrost auszustreichen, damit ich einen Faden behalte zur Fortsetzung. Lese ich selbst das dumme Zeug; so schlägt es mich nieder und macht mich Muthlos. Die Kunst Geister zu beschwören besteht in Worten. Man soll mir nicht umsonst den Namen eines Magus gegeben haben; ich will ihn wenigstens so gut behaupten wie weiland unser Salomo. Verdient eine solche Pralerey nicht Knuten und Faustschläge? ich mach mich auch darauf gefaßt.
Meine ursprüngl. Grille war, durch das Ende meiner Autorschaft den Urlaub selbst zu bewürken. Ich gab selbige auf, aus einer Art von Selbstbescheidenheit und Menschengefälligkeit, weil ich gegen meinen Eigensinn mistrauisch gemacht worden bin. Meine Hypochondrie ist ein Bucephalus, der auf seinen Reiter wartet. - -
Vergiß nicht des Starkes Apologie - aber bekümmere Dich um nichts, das in Deinen Schlaf, Appetit und Gemüthsruhe Eingniff thun kann, womit Du an den väterlichen Freuden und des Bräutigams Glück Antheil zu nehmen schuldig bist. Ja leider giebt es mehr reine Vernunft und leeren Glauben, und mehr Rationes als portiones, wie ein pollnischer Edelmann mit einem Wortspiel seiner Sprache scherzte, und einen Proviantcommisair abwi<ß>s[.]
Ich schreib nicht eher nach M. bis ich Bescheid erhalte - und vielleicht nicht eher nach Pempelfort als beym Empfang der starken Apol.[ogie] und übrigen Gaben, die wohl nicht eher als mit dem Meßgut ankommen werden. Gott sey mit Dir und mit den Deinigen. Meine beste Wünsche für das glückliche junge Paar!
Die Salbe vom Fisch ist gut für die Augen und Recipe ein Stück von dem Herzen und der Leber, leg es auf glühende Kohlen, und [der] Engel Raphael nehme den Eh- und Dintenteufel gefangen und binde ihn in die Wüste ferne Egypten. Eine lachende Leber ohn Herzen thut keine Wirkung. Hume's Herz verlang ich nicht. Er ist ein guter Rabbulist, aber ein elender Paraklet, noch immer beßer als der jüdische [Schwätzer] Mückenfänger und cartesianische Teufel im Gewande des mathematischen Lichtes.
Es schlägt 9 Uhr und ich eile auf meine Amtsstube mit dem N.T. in der Tasche und dem goldnen Hahn unterm Arm. Lebe recht wohl und schreibe wenn und wie Du willt. Nur vor allen Dingen leb zufrieden mit Gott, Seiner großen um und kleinen Welt in Dir. Laß Ihn in beyden schalten und walten, als Herr, Vater und Bräutigam - eifersüchtigen Nebenbulers des Ich - Du und Er ist im Singulari und Plurali - Lebwohl bis aufs Widersehen. Die Grüße der Meinigen verstehen sich von selbst. Des Bräutigams würdige Tante, meinen Namensvetter Georg, Freund Tiro - Eben erhalt ein Entrée-Billet zur Cantate Sulamith und Eusebia auf den 9 May. von den Juden oder eigentl. der Friedländerschen Familie. Eine mir unerwartete Galanterie; denn die Juden meiden beynahe mein Haus nach der Fehde mit Mendelssohn. Ich habe mich wie Bersillie entschuldigt, und meine Kinder samt der Mutter substituirt. - Vale et faue!