Konxompax (1779)

Fragmente
einer
apokryphischen Sibylle
über
apokalyptische Mysterien.

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Salomo
Prou. IX.
Vecordi locuta est: Aquae furtiuae dulciores sunt et panis absconditus suauior ! et ignorauit, quod ibi sint Gigantes et in profundis inferni coniuae eius.

altioris vtcunque et magno silentio tegendae religionis argumentum ineffabile
Apul. Metam. XI.

 
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1779

POETA. PARTICULONI.
- - Quare, VIR SANCTISSIME,
Si non ingenium, certe brevitatem -

Phaedr. Lib. V. Fab. 5.
 

 
"Ob es gleich nur ein historischer Umstand ist1, so gehört es doch zu den Geheimnissen" des Geheimnisses, daß das heilige Feuer einer natürlichen seeligmachenden Religion unter dem Scheffel der Ceres2 und dem Thalamus des Weingottes so lange verdeckt gewesen, bis die ächte Nachkommen jener Priester der Tenne und Kelter selbiges in der Gestalt eines dicken Wassers wieder hergestellt und dasjenige erfüllt haben, was in dem andern Buch der Maccabäer3 urkundlich geschrieben steht.
Herr Warburton, "der gar schön gezeigt, daß die Heiden unter andern mit ihren geheinmißvollen Ceremonien der Seele Unsterblichkeit, Belohnung und Bestrafung nach diesem Leben vorstellen wollen", hat eben nicht geläugnet, im Roman4 des Sethos Wasser für seine Mühle gefunden zu haben. Cooper aber thut ihm zu viel5; sonst müßte (im parenthesi und Vorbeygehen) Warburtons jüngster Compilator nicht nur ein Dieb, sondern auch Mörder heißen. Denn war es nicht eine derbe Unverschämtheit, in den Tag hinein zu schreiben6, daß wir nicht die geringste Spur in den alten Kirchenvätern7 von ihrer Einweihung finden? (Was die neuesten der ihrigen theils an baarem Genuß geselligen Vergnügens, theils an Aussichten beßrer Hoffnungen zu verdanken haben, ließe sich ohne Zeugniß des Hörensagens durch manchen Sorites aus dem Atticismo ihrer Apo- und Prologen deduciren. Daß der z.E. starke Geist Onomaus8 die Mysterien für den Grund und die einzige Quelle der wahren Religion im höhern Chor angesehen, ist ein abermaliges Autos Epha, aus den krummen Fingern gesogen; desto zuverläßiger weiß man von dem z.E. starken Geist Diagoras, daß er mit den Mysterien einen öffentlichen Spott getrieben9. Doch gnug über die Verdienste10 eines halben Pythagoräers um den Denarium, der in der Einheit besteht. - -
Die Dunkelheit des Gegenstandes11 hat auch denkende Philologen und gelehrte Weltweise zur Untersuchung gereizt, und sie haben am Ende, wie der "verehrungswürdige Demonax"12 sein Dilemma, entweder ein reines Nichts oder ein zweydeutiges Etwas gefunden, das wie gut und böse entgegengesezt -
Diese höchsten allgemeinsten Gattungsideen (Nichts und Etwas, gut und böse) sind bekanntermaaßen die ersten Gründe (Initia) und letzten Resultate (teletai) aller theoretischen und practischen Erkenntnis. Aus ihrer Zusammensetzung und Anwendung durch's Anschauen des Einen in dem Vielen entsteht das außer- und übersinnliche oder transcendentale Licht der Vernunft (von welchem Lichte, Grund und Logos unsere heutigen Apostel in ihren Opusculis profligatis predigen, daß es alle Menschen erleuchte in diese und jene Welt hineinzukommen - auf dem schmalen Wege - durch die enge Pforte) und ihrer Fackelträgerin, der eigentlichen Wissenschaft13. -
"Die heilige Vernunft!14 die ihnen die Stelle einer Offenbarung vertritt und vor Vernunftschlüßen, sie mögen noch so fein, sie mögen noch so weit hergeholt seyn" (sie mögen auf ihren Bauch oder auf Vieren gehen) "das Knie mit Ehrfurcht zu beugen" befiehlt - Aber ihre Leichnam15 liegen auf den Gassen der großen Stadt, die da heißt geistlich die Sodoma und Egypten, da unser HERR gekreutzigt und noch nicht auferstanden ist, weil keine "zufällige Geschichtswahrheit, kein physisches Factum noch politisches Phänomenon "jemals ein Beweis16 von nothwendigen Vernunftwahrheiten werden kann" - für gründliche und bündige Biederrichter, die mehr als griechisch verstehen und sich mit einem: Hoc est Corpus meum! oder Geheimniße sub utraque specie nicht abspeisen lassen -
Da es nun bis auf den heutigen Tag des Herren, an dem ich schreibe, weder an Heiden noch Geheimnissen fehlt: so haben wir, mein! beym Leben Pharaonis!! nicht nur einen Rosenkranz "entfallner Worte;"17 sondern mit den Weisen Egyptens zu reden, Gottes Finger! - in einem doppelten System von Ungeziefer, zum Grundstoff unsrer Vergleichungs- und Abziehungsfähigkeit, um das Beständige und Gemeinschaftliche von dem Zufälligen und Besondern per aquam regis oder einen trocknen Weg kunstmäßig zu scheiden, und durch die aus den leidigen Schranken des Raums und der Zeit unendlich zusammengesezte Mannigfaltigkeit nicht nur zum Schrein der mystischen Einheit im allgemeinen Begriff, sondern auch zur anschaulichen Erkenntniß oder Epopsie der allgemeinen Wahrheit hindurchzudringen: daß außer- und übersinnliche Geheimniße, gleich dem ganzen Universo unter der Sonne, ein blendendes Nichts, ein eitles Etwas, kurz dem philosophischen Fluch und Widerspruch der Contingenz unterworfen sind und bleiben werden - bis auf den Tag des jüngsten Compilators und Schmelzers - in der Kraft Eliä ! -
Denn versteht man erstlich unter den Mysterien "gottes-dienstliche Gebräuche und Feierlichkeiten"18, so bedeuten gottesdienstliche Gebräuche, der Induction und Analogie zu Folge, "heilige Gaukeleyen und Possenspiele19, deren Oeconomie - mit einer seltnen List gleich vortreflich für abergläubische Schwärmer und verschmizte kühne Betrüger eingerichtet war, oder höchstens dramatische Vorstellungen von Götter- und Heidengeschichten" als der Lieblingsprophet und Evangelist seines Jahrhunderts (credite posteri!) z.E. der dreyzehnten Rhapsodie seiner allerchristlichsten Epopee20 einverleibt - so wie bereits der selige Aristoteles thn toioutwn paJhmatwn kaJarsin für den mystischen Zweck des Trauerspiels erklärt hat. Ja selbst "die einzige wahre Religion21 in jenen finstern Jahrhunderten des Mittelalters und ihren scholastischen Mysterien zu einer andächtigen Mummerey herabgesunken" war eben das unerkannte Vehiculum" ihres Triumphs: und der Antheil, den die einzige wahre Philosophie jedes Aeons an diesem Schicksal nimmt, ist im Grunde nichts anders, als des römischen Landpflegers hypokritisch-politisches: Ecce homo!
Versteht man zweytens unter Mysterien "gewisse22 auf die Religion eines Volks sich beziehende Lehren": so verschwindt23 die ganze neu aufgerichtete Scheidewand des Ex- und Esoterismus. Der einzige Gott24, Schöpfer und Vater des Ganzen, war so unterscheidend in dem JUPITER. OPTMIUS. MAXIMUS. ausgezeichnet, daß alles transcendentale Geschwätz der gesetzlichen Vernunft auf nichts mehr hinausläuft, als eine Zusammensetzung und Anwendung dieser höchsten allgemeinsten Gattungsideen positiver Qualität und Quantität. Durch die Lehre der Dämonen25 aber wurde die Viel- und Abgötterey wieder gebauet und von neuem befestigt, was durch den ersten geheimen Glaubensartikel niedergerissen worden war. Man machte sich also selbst zu einem Uebertreter desselben, wie Sanct Paulus sagt. Eben so lag schon die Lehre von der Dauer der Seele, ihrem Nachgerichte und dem Unterscheide des jenseitigen Lebens in der mythologischen Legende vom Elysium und Tartarus -
Dreyßigtausend andächtige Seelen26 im vollen Marsche, gleich einer Wolkensäule, um zu solchen Wahrheiten in der Finsterniß und ins Ohr eingeweiht zu werden, die von Poeten und Philosophen im Licht und auf den Dächern bewiesen und geläugnet, bezweifelt und verschmäht, gesungen und ausgepfiffen wurden. Theopnevstie und Vis dialectica war also nur der sichtbare Stamm; die unterirrdische Wurzel des Verstandes der Mysterien aber bestand in der Niederlage geheimer Schriften und heiliger Urkunden, "welche Uneingeweihte27 umsonst zu lesen versucht, weil ihre Verfasser sie Uneingeweihten nicht geschrieben hatten" - "Kein Einziges solcher Apokryphen28, nicht einmal ein Formularbuch, um den Gelehrten in ihren Untersuchungen zu dienen, ist bis auf unsre Zeiten gekommen. Sind sie von ihren Verfolgern" (die lieben Väter waren vermuthlich diese Mörder!) "aus der Welt geschaft, oder sind sie aus Neid und Gewissenhaftigkeit"29 (schönes Halbgeschwister halber Pythagoräer!) "der Nachwelt entzogen und in den Ruinen der Tempel mitbegraben" oder gar mit ihren göttlichen Stiftern30 und Urhebern gen Himmel gefahren? - Weine nicht!31 - um ein Complementum artis exorcisticae, cui simile nunquam visum32 in Cophtischer Sprache für einen Adepten "Sphransch und Saben33 einer erhabenen, tugendhaften und nutzbaren Societät"34 - und Herzog Michel aus Egypten zum Obersten!35 - Als wenn es uns an Urkunden fehlte, die versiegelt sind36, weil man nicht lesen kann (seitdem Diui Renati Cartesii Methodus und B. Joannis Clerici Ars Critica das Elementarbuch, der Wolffianismus und Machiavellismus in Schafskleidern unser welscher und rothwelscher Paedagogus geworden sind) und die man nicht lesen kann wegen der sieben in- und auswendigen Siegel oder siebenzig mal sieben Wiedersprüche des überwindenden Löwen und erwürgten Lammes - bis auf ein Thier, das gewesen ist und nicht ist, wie wohl es doch ist -
Keine Furcht einer Lebensstrafe37, sondern das sehr dunkle Argument eines Traums schreckte den Pausanias ab, nach der Reihe zu erzählen, was er in dem Tempel der Ceres zu Athen gesehen hatte. Der locus communis38 eines so gevierten Sachwalters und galanten Compilators, der, wie Cicero39, alle seine dicendi mysteria und ihren ganzen Ruhm den Griechen schuldig war, möchte bey einem nähern Lichte zu einem neuen Beweise der pauli-nischen Theorie vor dem Areopagus dienen können: AndreV AJhnaioi, kata panta wV deisidaimonesterouV umaV Jewrw40 -
Sehen, was nicht da ist, noch seyn kann, ist ein Schalksaug; und nicht sehen, was sich mit Händen greifen läßt, macht das ganze System zur Nacht. Fast besorg ich daher, daß es den abergläubischen Predigern der natürlichen Religion, wie dem blinden Homer, ergehen dürfte - ein bündiges Lausangelrätzel zum unergründlichen Euripus! Aber der Zweck Jesu und seiner Jünger ist gleich einem ins Meer geworfenen Netze, damit man allerley Gattung fähet, und wenn es voll ist, so zieht man es heraus, sitzt und liest die guten in ein Gefäß zusammen - Also auch am Ende der Welt, von dem alle National- Weinlese-41 und Erndtefeste42 fruchtbare Typen und beredte Vorbilder sind: denn unser ganzes Kirchenjahr43 ist darnach eingerichtet, das Volk in dramatisch-symbolischen Vorstellungen und Feyerlichkeiten mit dem bekannt zu machen, was die heilige Geschichte des vom Himmel auf die Erde herab - und von der Erde in den Himmel heraufgefahrnen Helden, ewigen Vaters und Friedensfürsten - zu Seinem Gedächtnisse! und zu einem Zeichen desjenigen Widerspruchs, den Er selbst wider Sich erduldet, damit Wir nicht in dem Muth und den "Thaten" Seiner Nachfolge matt werden und ablassen - in einigen Körben von Fragmenten aufbehalten hat, gleich jenen Schaubrodten in dem Vordertheil der Hütte, jener güldenen Gelte, die hinter dem Vorhange das Himmelbrod hatte. Als Wahrzeichen des Gedächtnisses und Widerspruchs aber wird der Eckstein unsres evangelischen und apostolischen, historischen und dogmatischen Systems, statt eines lebendigen Brods und Stabes, ein Stein des Anstoßes und ein Fels der Argerniß; der Fisch zu einer Schlange; und das Ey zum Scorpion. -
Das grosse politische Schneidergeheimniß44 Menschen zu machen und zu verklären, wär's auch durch eine Wendung des lumpigten Christentums zum Unterfutter der purpurnen Selbstliebe, nach dem güldnen Naturgesetz der Sparsamkeit, um durch schnelle, zuverläßige, ausgebreitete und dauerhafte Eindrücke von Meteoren und Antithesen dem Zeus gleich zu seyn -- oder "lieber einem einzigen Antriebe45 alle mögliche intensive Kraft zu geben" - und was für einem? "der alle andre Antriebe verkleinert, verdächtig macht! Sich selbst für den stärksten und besten ausgiebt! " - - Die alte punische Kriegslist durch ein hölzernes Pferd der Toleranz die enge Pforte zu erweitern, um das letzte Palladium der menschlichen Natur zu holen, damit wir des Gewissens halber alle Kamele verschlucken, durch einen neuen Köhlerglauben an einen neuen Bund der Vernunft Alpen versetzen, und uns allen bleyernen Bullen von Gottes Gnade unterwerfen, welche die heiligen Augustini46 und Anselmi aus ihren Cellen und Bordellen als Orakel und Gemächte ihres unsterblichen Wurms und unauslöschlichen Feuers --
Wie stimmt Christus mit Lucifer? Was hat der Tempel Gottes für eine Gleiche mit den Idolen? die göttliche Kraft und göttliche Weisheit des Evangelii mit den ewigen Regeln, Operibus supererogatis und Opusculis profligatis eines irrdischen, thierischen, Gespenstähnlichen Instincts? Erkennen unsre Obersten und Archonten47 nun gewiß, daß der Aberglaube dieser Sekte jene "erhabne Philosophie"48, sey - durch einen: Salamalec dem Judenkönig! oder ist nicht vielmehr der Titel und Widerspruch am Schandpfahl des Kreuzes ein Mysterium der zweyten Ordnung49, der wahre Idiotismus und das Schiboleth paulinischer Hypothesen kata apokaluyin musthriou - -
Drittens vermisse ich in der Induction die christliche Mystik ungeachtet ihrer hervorstechenden Analogie mit der heidnischen Telesiurgie. Diese Ähnlichkeit beruht auf zwey Hauptpunkte, nemlich: daß in beyden die fleischliche Vermischung der Geschlechter zum Symbol der Vereinigung mit der Gottheit, theils durch eine Absonderung des körperlichen Genusses, theils durch eine Anwendung der Unreinigkeit50 selbst zu einem Leitzeuge und fliegenden Adler geistlicher Endzwecke geheiligt worden51. Daher jene berüchtigte Schaambilder52 und eben so anstößige Redefiguren vom Limbus, Matrix, der Ehepflege mit der Jungfrau Sophia, z.E. in Gichtels erbaulichen theosophischen Sendschreiben etc. Das andere Phanomen der Coincidenz besteht in einer gemeinschaftlichen Ader des Theismus, die man zum Vortheil der heidnischen und Nachtheil der christlichen Mystiker gedeutet, weil man den ewigen mystischen, magischen und logischen Circul menschlicher Vergöttung und göttlicher Incarnation nicht gefaßt, worinn doch das ganze Arcanum unsrer neugebacknen Lehrer der Gottesgelehrsamkeit und Vernunftweisheit besteht. Daher auch Cicero in seinem ersten Buche de natura deorum die Offenbarung der natürlichen Religion ausschließungsweise dem weisen Epikur und seinem Quietismo zueignet.
Durch den Polytheismum also wurde der Tempel der Natur; und durch die Mysterien der Tempel des Leibes zum Grabmal oder Mördergrube des Dings, dessen offenbarter Name das einzige unaussprechliche Geheinmiß des Judentums - und dessen anonyme prolhyiV tausend mythologische Namen, Idole und Attribute hervorgebracht, welche aber sämmtlich durch die Einweihung aufgelöset, oder vielmehr in die älteste Schoossünde der Selbstabgötterey concentrirt, zusammenflossen. Denn diese prolhyiV Gott gleich zu seyn hatte aller philosophischen Erkenntniß und gesetzlichen Gerechtigkeit die Bahn gebrochen. Sie war das Ziel des ersten Selbstmörders, der, wie ein schlechter Schütze, den Schatten für den Körper traf, weil der Körper ein bloßes Schattenbild des Dings Selbst ist. Dieser arpagmoV war das prwton pseudoV des ersten Versuchs, unsre Sinne von der Einfältigkeit im Worte zu verrücken und den Frieden Gottes auf Erden dem verbuhlten Geschmack der Vernunft zu versalzen. Gleichwie aber die Sanction und Satzung des Todes das allererste, feste, prophetische Geheinmiß für die neuerschaffne Erde war; so legte Jehova den ersten Laut und Strahl des evangelischen Geheimnisses von der Bestimmung des Menschen zum SunJronismw53 (einer nicht blos figürlichen, sondern leibhaften Theilnehmung der göttlichen Natur) dem Lügenprediger Lucifer in den Mund, der weder als Morgenstern noch Schlange gefeyert, die Arglist seiner Verrätherey an Gott und Menschen durch neue Mißverständnisse zu verewigen, und selbst durch die göttlichen Adiutoria der Vernunft und Schrift54, des Buchstabens und Geistes, der mancherley Gaben, der mancherley Ämter und mancherley Kräfte, dem Zweck Jesu und Seiner Jünger entgegen zu arbeiten.
Denn was ist die hochgelobte Vernunft mit ihrer Allgemeinheit, Unfehlbarkeit, Überschwenglichkeit, Gewißheit und Evidenz? Ein Ens rationis, ein Ölgötze, dem ein schreyender Aberglaube der Unvernunft göttliche Attribute andichtet. Das weite und breite, hohe und tiefe Verderben, welches in den Opusculis profligatis der jüngsten Offenbarung so gründlich und bündig aufgedeckt wird, ist der thätlichste Gegenbeweis von der Unvermögenheit und Eitelkeit ihrer Usurpation - und das ganze Nostrum ihrer Marktschreierey erstreckt sich nicht weiter als auf die Entblößung und Erkenntniß der Sünde und Schande, welche sich wie die verführte Heva durch Übertretung desjenigen, was sie selbst für heilig, recht und gut hält, eingeführt hat, damit die Leichtgläubigkeit des Unglaubens überaus sündig würde - Ja, ja, Sie hat den Mann, den Herrn! und durch denselben redt er noch in den Kindern des Unglaubens, jener Erstgeborne, wiewohl er gestorben ist! - tritt den Sohn! seinen gerechtern Bruder, mit Füßen - achtet sein Blut der Besprengung unrein, durch welches er geheiligt ist, - und schmäht den Geist der Gnade! Die Kanzeln sind also gerechtfertigt, einen Baum der Erkenntniß zu verwünschen, dessen faule Früchte und kahle Blätter weder zur Speise und Arzney noch zu Schürzen dienen55. -- Weg mit dem Starken zum Brandopferaltar56 des starken Geistes Diagoras! -
Was ist das für eine Philosophie mit ihrer Jakobsleiter im Traum nach verjüngtem Maasstabe? Ist sie nicht eben die Madonna, welche uns einst weis machte, daß unsre Seele nicht nur die Baumeisterinn ihres Tempels, sondern auch die Fackelträgerinn des Homunculi während seiner Wallfahrt in dem unterirrdischen Labyrinth gewesen wäre? Oder ist sie etwa jene schöne Wolffianerinn, die weiland in Schaafkleidern die ganze Dogmatik an ihren zehn Fingern demonstrirte, und die vornehmsten Wahrheiten57 unsrer naturalisirten Religion auf eine begreifliche Art erklärte und rettete; aber nach reiferer Überlegung wie eine Söge und Petze die Perlen des Heiligtums mit ihren Füßen zutritt und sich wendet und zureißet? Wäre sie eine Pucelle ------ oder weise Frau, die Götter aus der Erden steigen sähe -------
Doch vielleicht ist sie jene verschleyerte Isis, die "alles Gute gethan58, was noch in der besten Welt ist, und fortfährt an all dem Guten zu arbeiten, was noch in der besten Welt werden wird". - Usum picturae in antiquorum ceramicam introduixit PHILOSOPHIA, ne et ipsa vulgaria vtensilia ad instruendos homines essent sine documento59. - Ihr also haben wir es zu verdanken, daß die Hetrurischen Mahler die Orgien gemein gemacht haben, wie jene Priester am Sabbath im Tempel den Sabbath brachen und waren doch ohne Schuld -
Was sollen wir nun von der ganzen Mystagogie sagen? - "Nichts willkührliches60, nichts entbehrliches, nichts müßiges; sondern Etwas Nothwendiges, das in dem Wesen des Menschen" und seinen Verhältnissen zum Ens entium gegründet ist. Weil aber auch dieß ein Ens rationis ist: so wurde der geoffenbarte Name des Dings kat¢ exochn das einzige Mysterium des Judentums und die ProlhyiV seines verschwiegnen Namens das tausendzüngige Mysterium des Heidentums. Die Vereinigung dieser beyden Tincturen aber, der neue Mensch, nach dem Ebenbilde seines Schöpfers - nicht Grieche und Jude; Beschneidung und Vorhaut; Barbar, Scythe; Schaarwerker, Freymäurer; alla panta kai en pasi -
Diese Einheit des Hauptes sowohl als Spaltung des Leibes in seinen Gliedern und ihrer differentia specifica ist das Geheimniß des Himmelreichs von seiner Genesis an bis zur Apocalypsi - der Brennpunkt aller Parabeln und Typen im ganzen Universo, der Histoire generale und Chronique scandaleuse aller Zeitläufte und Familien; - damit den Majestäten und Facultäten in der Höhe die mannigfaltige Weißheit Gottes kund würde an Seinem sichtbaren Hause und der unsichtbaren Gemeine der Erstgebohrnen hienieden. - Denn die ganze Schöpfung nimmt an unsern Grimmen und Wehen Antheil, weil ihre Erlösung von der Leibeigenschaft der Eitelkeit, des Mißbrauchs und Bauchs, (welcher Leibeigenschaft die Creatur nicht von freyen Stücken, sondern um desjenigen willen unterworfen ist, der den Bauch und die Speise und die gegenwärtige leibliche und geistliche Nothdurft seine Füsse zu decken eben so vernichten wird; als durch die licentiam poeticam dieses philosophischen Jahrhunderts die moralische Verbindlichkeit unsrer Vernunft, [die unsers Geschlechts ist,] ihr Haupt um der Engel willen zu decken aufgehoben wird) - weil, sag ich, diese Erlösung der ganzen sichtbaren Natur von ihren Windeln und Feßeln auf der Offenbarung des Christentums beruht, deßen Geheimnis ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit und Freyheit ist. Der Geist aber rechtfertigt und macht lebendig. Fleisch und Buch ohne Geist ist kein Nütze.
Wie nun! Soll eine scheinheilige Philosophie und hypokritische Philologie das Fleisch kreutzigen und das Buch ausrotten, weil Buchstabe und historischer Glaube desselben weder Siegel noch Schlüssel des Geistes seyn kann? Wird aber der mystische Sinn der Schrift durch die Engel des Lichts erfüllt, ohn daß sie wissen, was sie böses thun61, noch unterscheiden den Leib des HErrn von Kelch und Tisch der Dämonen: so wird zwar die Wahrheit Gottes durch die innere Lügen oder Widersprüche der Vernunft herrlicher zu Seinem Preis: aber ihre Verdammnis ist ganz recht; - und daß der als ein Sünder gerichtet werde, der übel thut, auf daß Guts herauskomme - Oder sollen wir außer der Littera scripta noch einer andern Regulae Lesbiae62 warten? -
Freund Falk! O daß --- mich Niemand hönte!63 Ohne eine Postillenglosse64 und Recensentengeberde erinnere ich (will nicht sagen Ihn) dieses Namens! - wie einer ausgeschütteten Salbe - obschon kein Mädchen, noch Archytas65 bin. Ich habe mich an den ontologischen Begriffen über die bürgerliche Gesellschaft, wie an Cardinals von Retz66 patriotischen Betrachtungenüber das Staats-geheinmiß der französischen Monarchie erbaut. "Doch, was wir gefangen, haben wir weggeworfen, und was wir nicht
gefangen, nehmen wir mit uns heim" - zu einem andern Zuge bey besserer Muße. Es waren weder Schmetterlinge, noch Ameisen, noch Bienen - sondern Gottes Finger! (bey den Cophten). Und hiemit schließ' ich den 12./1.April 79 (auf einen so schwarzen Vor-67 was für ein glänzender Nachmittag!) das seit Jahr und Tag (dum moliuntur, dum comuntur) Ihnen

jilon htor

versprochene und zugedachte Stückwerk
Ihrer

Adelgunde.

 
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1Apologie des Ordens der Freymäurer. Berl.78 S. 159

2Luc.XI.33

3I.20.

4Göttl. Sendung Mosis Theil II S. 319

5Mr.Warburton, who supposes the whole sixth Book of the Aeneid to be a Description of the Eleusinian Mysteries (which Thought, wrong as it is, by the Bye, tho' he lets it pass for his own, was borrowed, or more properly stolen from a French Romance, entitled, The Life Of Sethos) -- The Life of Socrates by John Gilbert Cooper Jun. Esq. Lond. 749. p. 102. (28.) Lessings Beyträge zur Geschichte d. Litteratur. IV. S. 390

6Hephästion S. 20

7Tauta de klhmhV - diarrhdhn ekkaluptei, pantwn men dia peiraV elJwn anhr - Eusebii Praep. Evang. Lib. II. Cap. 2.

8Apol. S. 160.

9S. Joach. Kuhnium ad Aeliani Historiam variam Lib. 11. 31.

10S. 151.

11Meiners Vermischte philosophische Schriften. III. Theil. Leipz. 776. S.64.

12Meiners S. 321.

13S. von den Begriff der Philosophie und ihren Theilen etc. Berlin 1778.

14S. Theokles XV. Brief in den philosophischen Schriften.

15Apocal. XI. 9.

16Lessing über den Beweis des Geistes u. der Kraft.

17Apolog. S. 173. 195.

18Meiners S. 168.

19S. 184. 185. 204.

20La Pucelle d'Orleans. Londr. 764. p. 221. (5)

21Meiners. S. 198. 200.

22S. 168. 169.

23S. 208.

24S. 299.

25S. 303.

26Meiners S. 227.

27S. 309.

28Apologie S. 195.

29Matth. XXVII. 18. 24.

30Apol. S. 156.

31Apoc. V.5.

32Autore F. Zacharia Vice comite. Mediol. 610. [Oktav].

33S. 180.

34S. 152.

35Il ne resta enfin de tous ces anciens mysteres que des troupes de gueux que nous avons vu sous le nom d'Egyptiens et de Bohemes courir l'Europe avec des castagniettes, danser la danse des pretres d'Isis, vendre du baume, guerir la gale - - - Voltaire im Essay sur les Moeurs et l'Esprit des Nations. Discours preliminaire p. 177 und Tom III. Chap. CIV. p. 409.

36Jes. XXIX. 11. 12.

37Meiners S. 205 323. Apol. S. 176.

38Cic. de. Leg. Lib. II. Lorsque Ciceron a écrit cela, il semble avoir eu dans l'esprit un passage d'Isocrate qui se trouve paraphrasé dans les paroles de l'orateur Romain - Bibliotheque universelle par J. le Clerc. Tome VII. p. 123. (37).

39de Oratore I. 47.

40Ellhnwn d¢oi Jeologikwtatoi - kai teletaV kateshsanto kai mushria. Proclus in Timäo. Lib. II. p. 64.

41Meiners S. 248.

42Will. Clarke's Connexion od the Roman, Saxon and English Coins etc. Lond. 767. [Quert] p. 68.

43(Meiners) S. 190. 189.

44 - rechercher la meilleure maniere de former les hommes pour que l'amour propre soutenu, si vous le voules, par votre principe fasse sur eux, dans toutes les circonstances de leur vie l'impression la plus promte, la plus sure, la plus generale et la plus constante. S. Steinbach's Zueignungsschrift vor seiner Philosophie des Christentums.

45Lessing's Ernst u. Falk.

46Steinbart S. 142.

47Jog. VII. 26.

48Meiners S. 191.

49S. 205. 206.

50ein trocknes Menstruum.

51Apol. S. 167.

52ta gar sumbola toutwn wn esi sumbola, mimhtika ouk esi. ta men gar enantia twn enantiwn ouk an pote mimhtika genoito - - h de sumbolikh Jewria kai dia twn enantiwtatwnthn twn pragmatwn endeiknutai jasini. ProkloV eiV thn Politeian. p. 405.

53Meiners S. 281.

54Genesis II. 18.

55Hesek. XLII. 12 Gen. III. 7.

56Herkules. S. Aelian Hist. V.

57Reimarus.

58Ernst u. Falk.

59Picturae Etruscorum in vasculis nunc primum in unum collectae, explicationibus et dissertationibus inlustratae a Joh. Baptista Passerio, Nob. Pisaur. cet. Roniae 767. Vol. I. p.I. Der erste Tractatus praeliminaris des dritten Bandes, der 775 herausgekommen, führt den Titel: Bacchi secreta Mysteria a Pictoribus Etruscis impune prodita -- p.XIII-XXXIV.

60Ernst u. Falk.

61Eccles. IV. 17.

62Lessings nöthige Antwort.

63S. Kgsb. gel. Zeitung von 78 Nr. 103.

64Num. XX. 29. Cantic. VIII. 1.

65- deixaV men o eipein ebiazeto, ou mhn biasqeiV eipein Aelian V. H.XIV. 19.

66 Memoires du Cardinal de Retz, Amsterd. 731. Tom.I . Liv. II. p. 175. Chaque Monarchie a son mystere d'Etat; celui de la France consiste dans une espèce de silence religiuex et sacré, dans lequel on ensevelit en obeissant presque toujours aveuglement au Roi, le droit que l'on ne veut croire avoir de s'en dispenser que dans les occasions ou il ne seroit pas meme de leur service de plaire aux Rois.

67Vormittags erschoß sich der Buchhalter, welcher neben meiner Loge arbeitet. Ich war am Flußfieber krank und hatte die ganze Stube voller Gäste wegen eines von Stapel gelaufenen Schiffes.