Johannes Bobrowski: Zwei Hamann-Gedichte

 
Hamann
 

Das
eine Welt,
Straßen, Wege, heute
kommt der Wasianski, wer hat
die Lebensläufe geschrieben
und wer die Gedichte à la Grécourt,
zwischen Lizentgraben und
Katzbach alles, was weiß ich, Welt.

Über Nacht aber singt
in den zu stark verschnittenen
Bäumen ein Vogel,
sommerlang dieser Vogel,
er weckt mir den Sohn
nicht, aber ich - so werd ich
gehn, ich fisch ein Gericht
Irrlichter in den Wiesen
hinter dem Graben.

Welt. Ich seh im Regen
weiß ein Gewölk. Ich bin's.
Auf dem Pregel hinab
der Kahn. Aus den Nebeln. Welt.
Eine Hölle, da Gott inwohnt.
Welt. Ich sag mit Sancho:
Gott, ich sag: er versteht mich.
 

 
Epilog auf Hamann
 

Taumeln hat mich gemacht der Geruch meiner eignen Verwesung,
ohnmächtig für eine Zeit, dem Esrahiten hab ich
nachgegirrt von der Schwachheit der Elenden, ich hab gelebt im
Land, das ich nenne nicht: dort, wo man nichts, nichts, nichts gedenkt.
 

 
Johannes Bobrowski, Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 1: Die Gedichte.